Dieses Kapitel betrifft Veranstaltungen wie Karneval, Musical usw. wo man eine hohe Kombination von vorbereiteten Cuelisten, Timecodelisten und Live-Eingriff hat. In Ergänzung zu den vielen Möglichkeiten aus den vorigen Kapiteln werden hier super Dinge vorgestellt, die wirklich nur mit einer computerbasierten Lichtsteuerung möglich sind. So werden Effekte nach mathematischen Algorithmen auf diverse Lampen automatisch umgerechnet. Da der Computer die Berechnungen für die einzelnen Lampen-Eigenschaften macht, minimiert sich der Programmieraufwand dadurch dramatisch! Wo man ansonsten zig-Cues benötigen würde, kommt man nun mit wenigen Cues aus um eindrucksvolle Lichtstimmungen und -Effekte zu zaubern.
Als eindrucksvolles Beispiel erklärt Stefan zuerst verschiedene Anwendungen für das Fanning. Denn Jannik möchte wissen, wie man es programmiert, dass die Beams von Moving Heads fächerförmig aufgestellt werden, … und am besten noch mit einem gleichförmigen Farbverlauf – das wäre doch cool!
Die in der folgenden Abbildung symbolisch dargestellten 9 Moving Heads sollen also in der Pan-Position gleichmäßig „verteilt“ werden. Außerdem ist ein fließender Farbverlauf von blau zu rot gefordert. Der Begriff „Fanning“ steht nicht nur für Ventilator, sondern auch für Fächer. Damit kommen wir zur Definition: Die Werte einer Geräte-Eigenschaft werden aufgefächert.
Abb. 5-1: Fanning von Farben und Pan-Position
Noch genauer ausgedrückt: Die ausgegeben Werte für die Eigenschaft werden mathematisch „gleichverteilt“ und passen sich automatisch an die ausgewählten Geräte an (z.B. innerhalb einer Gruppe). Das Fanning ist also vorteilhaft mit Gerätegruppen zu verwenden. Je nach Anzahl der enthaltenen Geräte werden die Werte intervallmäßig aufgeteilt. Dies funktioniert für fast alle Eigenschaften, also z.B. Helligkeit, Farbe, Position. Die Zuweisung des Fanning-Features erfolgt in der Gerätesteuerung, dort wird in diesem Fall nicht mehr ein statischer Helligkeitswert eingetragen, sondern ein „arithmetischer Term“ mit Fanning-Operatoren in textueller Form, z.B. 10 > 90
Damit drückt man aus, dass sich die Helligkeitswerte in der Gruppe zwischen den Werte 10 und 90 gleichmäßig aufteilen. Dabei wird die Reihenfolge der Geräte aus der Gruppendefinition abgeleitet, also ggf. sollte man im Projektexplorer unter Gerätegruppen die Geräte neu sortieren, ansonsten sind Reihenfolgeprobleme möglich. Andererseits passt sich das Fannng automatsch an, wenn man Geräte zur Gruppe hinzufügt oder löscht.
Die verschiedenen Fanning-Operatoren sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.
| Bereich | Kurzbeschreibung | Operatoren |
|---|---|---|
linear |
Gleichmäßige zu- oder abnehmende Werte |
< > <> >< |
alternierend |
Abwechselnde Werte |
# ## |
symmetrisch |
Spiegelbildliche Aufteilung der Werte |
(senkrechte Balken) |
zufällig |
Zufällige Ausgabe von Werten innerhalb des angegeben Wertebereichs |
? ?? |
gekreuzt |
<zu ergänzen> |
~< ~> ~<> ~>< |
Wenn der Fanning-Operator doppelt angegeben wird (also z.B. ## statt #), wird die Gruppe in zwei Hälften aufgeteilt in denen jeweils das Fanning Muster angewendet wird. Damit erreicht man eine gleichmäßige Aufteilung von der Mitte nach außen.
In der folgenden Abbildung erkennt man Fanning
-
beim Dimmer/Helligkeit (MSP1…MSP8)
-
in der Farbe (MSP9…MSP16)
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in der Tilt-Position (DMH1…DMH8)
Abb. 5-1: Fanning-Beispiele
Falls die gleichmäßige Aufteilung zwischen zwei Werten nicht ausreicht, kann man die Fanning Operatoren auch verketten, siehe nachfolgendes Symbolbild. Allerdings darf immer nur der gleiche Operator in der Kette verwendet werden.
Abb. 5-2: Fanning-verkettet
Abb. 5-3: Fanning-verkettet
Jannik hat da noch eine Frage an Stefan: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Fanning und Fading?
Stefan: Naja, beim Fading wird die Änderung einer Eigenschaft über den Zeitverlauf gestreckt. Beim Fanning werden die Werte einer Eigenschaft auf eine Gruppe gleichmäßig aufgeteilt. Wenn Du beide Dinge kombinierst, kannst Du Dir selbst super Effekte zusammenbauen.
Bei verschiedenen Veranstaltungen wie Weihnachtsshows, Musicals aber auch Karneval wird oft Musik aus der Konserve eingespielt. Das bedeutet eigentlich, dass man die Lichtshow für solche Stücke schon Milli-Sekunden genau vorbereiten kann. Natürlich könnte ein Profi das auch live hinbekommen, aber dazu braucht man musikalisches Talent und Taktgefühl wie z.B. der Schlagzeuger – aber der sitzt ja nun mal während der Show nicht hinter dem Licht-PC.
Jannik weiss, dass man als Cuelist-Trigger für solche Situationen den Timecode einsetzen kann. Man kann sich mittels externer Tools wie z.B. Audacity die Waveform und die exakte Zeit (also den Timecode) für besondere Events anschauen, bei denen man z.B. sekundengenau eine Cueliste starten oder stoppen möchte.
Abb.5.x: Einfügen einer Audiocue
Für dieses Konzept gibt es die Specialcues „play“ and „stop“ Audiocue die Jannik zu Beginn und am Ende der Cueliste hinzufügt. Mittels der Timecodes (die man sich vielleicht auf einem Zettel notiert hat), kann man dann über entsprechende Timecode-Trigger in der Cuelist die vorher erstellen Cues zum richtigen Zeitpunkt starten.
Abb.: 5.x: Specialcue „Audio“ in DMXControl
Auf diese Weise erreicht man, dass die Lichtstimmungen zum entsprechenden Song bei jeder Aufführung absolut gleich sind.
An dieser Stelle hakt Stefan ein und zeigt Jannik den seit DMXControl 3.3 existierenden Timecode-Player. Im Projektexplorer gibt es jetzt den neuen Objekttyp Timecodeshows. Er sagt: Dieses neue Objekt ist kein reiner Audioplayer mehr (wie man ihn aus DMXControl2 kennt), sondern das Teil kann viel mehr.
Das beginnt damit, dass Jannik im Audiotrack nicht nur die normale Waveform sehen kann, sondern es gibt auch die Darstellung als sog. Wasserfallmodell – dort sieht man die Beats besser, mit den Reglern links im Audiotrack kann das Highligthing besser angepasst werden, es werden also unterschiedliche Filter herausgehoben.
Abb. 5.x: Waveform
Abb. 5.x: sog. Wasserfallmodell des gleichen Songs
Zuerst muss Jannik einen Audiotrack anlegen. Das geht im Projektexplorer, aber auch in der geöffneten Timecodeshow. So kann Jannik z.B. eine mp3 Datei aus dem Ordner „Files“ im Projektexplorer per drag& drop auf die Timecodeshow raufschieben. Prinzipiell könnte man auch weitere Audiofiles hintereinander auf den Audiotrack schieben. Die Audioschnipsel können in der Länge beschnitten und beliebig positioniert werden – so wie man es auch von (Midi-)Sequenzern kennt.
Abb. 5.x: Steuerungsfenster Audiotrack
Im Audiotrack kann Jannik mit dem Hand-Icon (rechts oben in obiger Abb. 5.x) die Lautstärke einstellen, die anderen Icons werden im Bild erklärt (tbd.).
Abb. 5.x: mehrere Audioschnipsel in einem Audiotrack
Nun will Jannik wissen, wie man dies zur Lichtsteuerung nutzt. In DMXControl2 hatte man ja an einzelnen Stellen in der Audiospur grafische „Markierungen“ gesetzt, denen dann jeweils eine Cue zugeordnet wurde. Jetzt ist das Konzept enorm erweitert worden, erklärt Stefan. Es gibt nun 3 Track-Typen in der Timecodeshow:
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Audio Track – wie gerade besprochen zur Sichtbarmachung der Audiospur
-
Cue list Track(s) – es kann eine oder mehrere davon geben, in denen die verwendeten Cuelisten wie „Videoschnipsel“ angeordnet werden können
-
Executor Track(s) – diese Tracks ermöglichen, Signale und Befehle die man sonst mit Executoren ausführen würde, in die Timecodeshow zu integrieren
Kommen wir erstmal zum Cuelist-Track. Hier sieht Jannik einen großen grauen Block, das ist die Cue Liste. Die Länge des Kastens ist Gesamtlänge der Cuelist, also die Summe aller Cue-Dauern inkl. ihrer Fadezeiten, Releasezeiten usw.. Die Länge eines Audioschnipsels kann grafisch angepasst werden.
Abb. 5.x: Synchronisation zwischen Cuelist-Editor und Cuelist-Track
Jannik findet beeindruckend, das die Synchronisation zwischen Cuelist (in Cuelist Editor) und Cuelist-Track im Timecodeplayer in beide Richtungen zwischen Text und Grafik problemlos funktioniert. Ändert er ein einem Tool einen Wert, wird das sofort im anderen Tool aktualisiert. Jannik will wissen, ob das mit jeder Cueliste funktioniert?
Nein, wirft Stefan ein. Das Konzept der Timecodeshow ist explizit auf Timecodes bzw. Timecode-Trigger zugeschnitten, daher ja auch der Name. Jede Ausführungszeit ist immer eine Timecode-Marke! Das Konzept würde bei wait, follow, manual-Triggern in der Cueliste gar nicht funktionieren, da diese die Zeitsteuerung durcheinanderbringen würden. Ebenso macht nur der Einmalig-Mode in der Cueliste Sinn – ganz klar, dass der random-Mode in eine Timecode-Show in 99,99% der Fälle nur Chaos anrichten würde. Vielleicht gibt es ja doch einen sinnvollen Anwendungsfall für die 0,01%? Das prüft Jannik später…
Der Timecodeplayer arbeitet jetzt zur Vereinfachung mit dem Timecode auf Millisekundenbasis. (Bei anderen Timecode-Triggern außerhalb der Timecodeshow kann natürlich nach Belieben auch weiterhin die Frame-Zählung angewendet werden.)
Abb. 5.x: Mehrere Cuelist-Tracks
Es kann auch mehrere Cuelist Tracks geben, die dann parallel arbeiten. Das entspricht dem Konzept, dass man mehrere Cuelisten im DMXControl3 parallel ausführen kann und kann sinnvoll genutzt werden, wenn man seine Cuelisten nach dem Bausteinprinzip aufgebaut hat.
Wie erwähnt, stellt sich Jannik die Cuelist-Tracks wie Videoschnipsel vor, die synchron zum Audio eingeblendet werden. Nun fragt er aber Stefan, was die Executor-Tracks sind?
Abb. 5.x: Executor Track
Stefan schwärmt – das ist wirklich ganz neu und kann bei der Showprogrammierung eine große Zeitersparnis bringen – wenn man es beherrscht.
Stell Dir vor, sagt Stefan, Du hast eine Live-Show die Du mittels Executoren steuerst. Also wie im Kapitel „Executoren“ erklärt, ist jedem eine Cueliste zugeordnet und Du steuerst live die Intensität, Geschwindigkeit oder auch das Starten, Stoppen und Pausieren von Cuelisten. Also normale Aktionen einer normalen Liveshow.
Das Tolle am Executor-Track ist nun, dass Du die Aktionen eines Executors aufnehmen („recorden“) kannst. Wenn der rote Aufnahmebutton gedrückt ist, bedienst Du die Show zum Audiofile wie in der Liveaufführung und hast es hinterher zum Erneuten Abspielen im Kasten. Es werden also die Aktionen eines Executors inkl. der Faderbewegungen, Start/Stop-Buttons usw. aufgezeichnet. Du kannst natürlich hinterher ein Finetuning machen. Also in diesem Konzept müssen Cuelisten nicht explizit über einen Cuelist-Track eingefügt werden, sondern Du kannst sie mit einem Executor Track an beliebigen Stellen mehrfach starten!
Abb. 5.x: Nutzung mehrerer Executor-Tracks
Wow! Jannik ist erstmal erschlagen von den vielen Features und wird es nun erstmal fleißig mit dem Timecodeplayer trainieren.
Aber nun hat Jannik doch noch eine Frage an Stefan: Kann ich den Timecodeplayer aus einer Cueliste starten, also ähnlich der Audio-Cue? Stefan überlegt: Nein, das ist so nicht vorgesehen, denn der Timecodeplayer soll ja selbst der „Master“ sein und Cuelisten starten. Aber mir fallen ein paar Dinge aus der Trickkiste ein, wenn Du die Timecodeshow nicht manuell starten möchtest: Du kannst das Input Assignment nutzen - dort gibt es ein entsprechendes Node (Wrapper→Timecodes→Timecode-Show), um eine Timecodeshow zu starten. Alternativ kann man eine TimecodeShow auf einen Executor legen mit diesem und kannst Du die Show starten.
Link zum Youtube-Tutorial: https://www.youtube.com/watch?v=zOHG_S43qoI




