Important
🎯 TL;DR
Eine Reihe von Objekten möchte über Änderungen in einem anderen ("zentralen") Objekt informiert werden. Dazu könnte das "zentrale" Objekt eine Zugriffsmethode anbieten, die die anderen Objekte regelmäßig aufrufen ("pollen").
Mit dem Observer-Pattern kann man das aktive Polling vermeiden und in ein Push-Modell umbauen. Die interessierten Objekte "registrieren" sich beim "zentralen" Objekt. Sobald dieses eine Änderung erfährt oder Informationen bereitstehen o.ä., wird das "zentrale" Objekt alle registrierten Objekte durch den Aufruf einer Methode benachrichtigen. Dafür müssen die registrierten Objekte eine gemeinsame Schnittstelle implementieren.
Das "zentrale" Objekt, welches abgefragt wird, nennt man "Observable" (oder manchmal auch "Subject"). Die Objekte, die die Information abfragen möchten, nennt man "Observer" (oder gelegentlich auch "Client").
| Aspekt | Polling (Pull) | Observer (Push) |
|---|---|---|
| Wer startet den Kontakt? | Client (z.B. Student) fragt aktiv nach |
Subject (z.B. LSF) meldet sich von sich aus |
| Häufigkeit | Regelmäßig, auch wenn sich nichts ändert | Nur, wenn sich der Zustand wirklich ändert |
| Kosten | Viele unnötige Anfragen | Nur relevante Benachrichtigungen |
| Kopplung | Alle kennen die konkrete(n) Abfragemethode(n) | Alle kennen nur das gemeinsame Observer-Interface |

Die Studierenden möchten nach einer Prüfung wissen, ob für einen bestimmten Kurs die/ihre Prüfungsergebnisse im LSF bereit stehen.
Dazu modelliert man eine Klasse LSF und implementiert eine
Abfragemethode, die dann alle interessierten Objekte regelmäßig aufrufen
können. Dies sieht dann praktisch etwa so aus:
List<Person> persons = List.of(new Lecturer("Frau Holle"),
new Student("Heinz"),
new Student("Karla"),
new Tutor("Kolja"),
new Student("Wuppie"));
LSF lsf = new LSF();
for (Person p : persons) {
lsf.getGradings(p, "My Module"); // polling
}Eigentlich müsste man diese Abfrage natürlich regelmäßig machen, z.B. jede Minute:
while (true) {
for (Person p : persons) {
lsf.getGradings(p, "My Module");
}
Thread.sleep(60_000); // jede Minute nachschauen
}Problem:
- Alle fragen ständig aktiv nach, ob sich etwas geändert hat ("Polling").
- Meistens gibt es nichts Neues, trotzdem werden immer wieder Methoden aufgerufen.
- Das kostet Zeit/Ressourcen!
- Das gezeigte Vorgehen koppelt zudem alle Objekte (hier Personen)
direkt an die konkrete Abfragemethode von
LSF.

Sie erstellen im LSF eine Methode register(), mit der sich
interessierte Personen beim LSF registrieren können.
Zur Benachrichtigung der Personen (registrierte Objekte) brauchen diese
eine geeignete Methode, die traditionell update() benannt wird.
Der typische Ablauf sieht dann so aus:
- Interessierte Objekte (z.B.
Student,Lecturer) implementieren eine Methodeupdate(...). - Diese Objekte rufen einmalig
lsf.register(this)auf, um sich anzumelden. - Wenn sich im
LSFetwas ändert (z.B. neue Noten verfügbar sind), ruftLSFvon sich aus seine interne MethodenotifyObservers()auf. notifyObservers()ruft dann auf allen registrierten Objekten derenupdate(...)-Methode auf.

Im vorigen Beispiel wurde die Methode update() einfach der gemeinsamen
Basisklasse Person hinzugefügt. Normalerweise möchte man die Aspekte
Person und Observer aber sauber trennen und definiert sich dazu ein
separates Interface Observer mit der Methode update(), die dann
alle "interessierten" Klassen (zusätzlich zur bestehenden
Vererbungshierarchie) implementieren.
Ein mögliches, sehr einfaches Java-Skelett für unser LSF-/Student-Beispiel sähe entsprechend folgendermaßen aus:
public interface Observer {
void update();
}
public class LSF {
private List<Observer> observers = new ArrayList<>();
public void register(Observer o) {
observers.add(o);
}
public void unregister(Observer o) {
observers.remove(o);
}
void notifyObservers() {
for (Observer o : observers) {
o.update();
}
}
public void neueNotenSindDa() {
// ... interne Logik ...
notifyObservers(); // alle angemeldeten Observer benachrichtigen
}
}
public class Student extends Person implements Observer {
@Override
public void update() {
System.out.println("Student: Ich schaue mir die neuen Noten an.");
}
}Die Klasse für das zu beobachtende Objekt benötigt dann eine Methode
register(), mit der sich Observer registrieren können. Die
Objektreferenzen werden dabei einfach einer geeigneten internen Sammlung
hinzugefügt.
Häufig findet sich dann noch eine Methode unregister(), mit der sich
bereits registrierte Beobachter wieder abmelden können. Weiterhin findet
man häufig eine Methode notifyObservers(), die man von außen auf dem
beobachteten Objekt aufrufen kann und die dann auf allen registrierten
Beobachtern deren Methoden update() aufruft. (Dieser Vorgang kann aber
auch durch eine sonstige Zustandsänderung im beobachteten Objekt
durchgeführt werden.)
Der typische Lebenszyklus eines Observers sieht also so aus:
- Observer-Objekt wird erzeugt (z.B.
new Student()). - Das Observer-Objekt registriert sich einmalig beim Observable (z.B.
beim
LSF lsfperlsf.register(student)). - Das Observable ändert irgendwann seinen Zustand (z.B. neue Noten).
- Das Observable ruft intern
notifyObservers()auf. notifyObservers()ruft bei allen registrierten Observernupdate(...)auf.
Tip
Hinweis: Im obigen Beispiel wurde für die Observer eine Liste
verwendet: List<Observer> observers. Je nach Anwendungsfall kann das
aber auch eine andere Datenstruktur sein - beispielsweise könnte man
mit einer Menge (Set) vermeiden, dass sich Observer mehrfach
registrieren können. Der verwendete Datentyp hängt nicht am
Observer-Pattern!
Important
Wichtig: In der Standarddefinition des Observer-Patterns nach
(Gamma u. a. 2011) werden beim Aufruf der Methode
update() keine Werte an die Observer mitgegeben. Jeder Observer
muss sich entsprechend eine eigene Referenz auf das beobachtete Objekt
halten, um von dort dann weitere Informationen erhalten zu können.
Wir nutzen im Rahmen dieses Moduls in der Regel eine erweiterte
Variante, bei der update() einen oder mehrere Parameter
mitbekommt, z.B.
- eine Referenz auf das
Observable, oder (meist besser) - direkt die relevanten Daten.
Ein angepasstes Interface für das obige Beispiel könnte beispielsweise so aussehen, wenn wir eine Referenz auf das Observable übergeben:
public interface Observer {
void update(LSF source);
}Oder noch besser, wir geben direkt die relevanten Daten mit:
public interface Observer {
void update(Gradings neueNoten);
}Mit der zweiten Variante werden die relevanten Daten direkt an den Observer mitgegeben und diese sparen sich dadurch die entsprechende Nachfrage beim Observable.
Dies muss dann natürlich im Observer-Interface nachgezogen werden.
Caution
Die typische Implementierung von notifyObservers sieht ungefähr so
aus:
void notifyObservers() {
for (Observer o : observers) {
o.update();
}
}Für jeden Observer wird die Methode update() aufgerufen (ob nun mit
oder ohne Argumente). Damit geht der Kontrollfluss an den jeweiligen
Observer und dessen Implementation von update() über und kehrt erst
hier in die Schleife zurück, wenn update() im aktuellen Observer
fertig ist. Das setzt voraus, dass sich alle Observer vernünftig
verhalten!
Tip
Hinweis: Es gibt in der Java-Standardbibliothek (java.util)
bereits die Klassen Observer und Observable, die aber als
"deprecated" gekennzeichnet sind. Sinnvollerweise nutzen Sie nicht
diese vorgegebene Variante, sondern implementieren Ihre eigenen
Interfaces/Klassen, wenn Sie das Observer-Pattern einsetzen wollen!
Observer-Pattern: Benachrichtige registrierte Objekte über Statusänderungen
- Interface
Observermit Methodeupdate() - Interessierte Objekte als "Beobachter":
- implementieren das Interface
Observer - registrieren sich beim beobachteten Objekt (
Observable/Subject)
- implementieren das Interface
- Beobachtetes Objekt ruft auf allen registrierten Objekten
update()auf update()kann auch Parameter haben (z.B. Quelle oder neue Daten)
Tip
📖 Zum Nachlesen
Auch wenn es für C++ geschrieben ist, lässt sich zum Thema Observer-Pattern das Kapitel 4 "Observer" im Nystrom (2014) sehr gut lesen. Der Verweis auf Gamma u. a. (2011) der "Gang of Four" darf natürlich nicht fehlen.
Note
✅ Lernziele
- k2: Ich kenne den Aufbau des Observer-Patterns und kann dies an einem Beispiel erklären
- k3: Ich kann das Observer-Pattern auf konkrete Beispiele (etwa den PM-Dungeon) anwenden
Important
🏅 Challenges
Observer: Restaurant
Stellen Sie sich ein Restaurant vor, in welchem man nicht eine komplette Mahlzeit bestellt, sondern aus einzelnen Komponenten auswählen kann. Die Kunden bestellen also die gewünschten Komponenten, suchen sich einen Tisch und warten auf die Fertigstellung ihrer Bestellung. Da die Küche leider nur sehr klein ist, werden immer alle Bestellungen einer bestimmten Komponente zusammen bearbeitet - also beispielsweise werden alle bestellten Salate angerichtet oder die alle bestellten Pommes-Portionen zubereitet. Sobald eine solche Komponente fertig ist, werden alle Kunden aufgerufen, die diese Komponente bestellt haben ...
Modellieren Sie dies in Java. Nutzen Sie dazu das Observer-Pattern, welches Sie ggf. leicht anpassen müssen.
Tipp: Überlegen Sie, ob das Restaurant für jede Komponente eine eigene Liste von Observer (Kunden) führen sollte oder ob eine gemeinsame Liste mit zusätzlicher Information zur Komponente genügt.
Observer: Einzel- und Großhandel
In den Vorgaben finden Sie ein Modell für eine Lieferkette zwischen Großhandel und Einzelhandel.
Wenn beim Einzelhändler eine Bestellung von einem Kunden eingeht
(Einzelhandel#bestellen), speichert dieser den Auftrag zunächst in
einer Liste ab. In regelmäßigen Abständen (Einzelhandel#loop) sendet
der Einzelhändler die offenen Bestellungen an seinen Großhändler
(Grosshandel#bestellen). Hat der Großhändler die benötigte Ware
vorrätig, sendet er diese an den Einzelhändler
(Einzelhandel#empfangen). Dieser kann dann den Auftrag gegenüber
seinem Kunden erfüllen (keine Methode vorgesehen).
Anders als der Einzelhandel speichert der Großhandel keine Aufträge ab. Ist die benötigte Ware bei einer Bestellung also nicht oder nicht in ausreichender Zahl auf Lager, wird diese nicht geliefert und der Einzelhandel muss (später) eine neue Bestellung aufgeben.
Der Großhandel bekommt regelmäßig (Grosshandel#loop) neue Ware für
die am wenigsten vorrätigen Positionen.
Im aktuellen Modell wird der Einzelhandel nicht über den neuen Lagerbestand des Großhändlers informiert und kann daher nur "zufällig" neue Bestellanfragen an den Großhändler senden.
Verbessern Sie das Modell, indem Sie das Observer-Pattern integrieren.
- Wer ist Observer?
- Wer ist Observable?
- Welche Informationen werden bei einem
updatemitgeliefert?
Tipp: Überlegen Sie zuerst, wo der "interessante" Zustand liegt (z.B. Lagerbestand) und wer an Änderungen dieses Zustands interessiert ist.
Bauen Sie in alle Aktionen vom Einzelhändler und vom Großhändler passendes Logging ein.
Anmerkung: Sie dürfen nur die Vorgaben-Klassen Einzelhandel und
Grosshandel verändern, die anderen Vorgaben-Klassen dürfen Sie nicht
bearbeiten. Sie können zusätzlich benötigte eigene Klassen/Interfaces
implementieren.
Note
👀 Quellen
Gamma, E., R. Helm, R. E. Johnson, und J. Vlissides. 2011. Design Patterns. Addison-Wesley.
Nystrom, R. 2014. Game Programming Patterns. Genever Benning. https://github.com/munificent/game-programming-patterns.
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Last modified: 5aa48b5 2026-05-23 observer: improve wording: classic pattern vs. extended pattern
