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Der Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg stiftet die Academia Theodoriana
und übergibt sie dem Ordensgeneral Aquaviva .
Neuhaus, 10. September 1614
Theodorus, von Gottes und des Heiligen Stuhls Gnaden Bischof der Paderborner Kirche,
Fürst des Heiligen Römischen Reiches.
Zum dauernden Andenken:
Bald jährt sich dreißigmal der Beginn unseres Hirtenamtes, um mit Weisung göttlicher Vorsehung die Seelsorge der Paderborner Kirche wahrzunehmen.
Die stürmische Zunahme verschärfter Schwierigkeiten erschüttert uns.
Noch nicht befindlich in einer Verfassung schmerzlichster Sorge um ein würdiges und gesundes Alter , bedrängen uns die Begrenzung der Lebensspanne und die Gewissheit der Endlichkeit im besonderen, insofern wir einen weiter wachsenden Zwiespalt in unserem achtsamen Bewusstsein angesichts der heftig zunehmenden Unruhe durch Kampfhandlungen und verabscheuungswidrigste Abirrungen wider das religiöse Leben ausmachen. Ungeachtet dessen bewegt uns von oben die einleuchtend liebenswerte Indulgenz des Allmächtigen, dass wir nicht ohne Erbarmen durch die bedrückende Belastung ruiniert werden.
Ja, sogar um vieles mehr, haben wir im eifrigsten Glauben an den selben Schöpfer, der sich bis zum Tode ganz und gar beharrlich für unsere Seele eingesetzt hat , auch für diejenigen, die noch nicht so weit , entscheidungslos zurücklagen, die tief verborgene Sehnsucht neuer Kräfte nach dem ruhmreichen Leib Christi, der unsere Heilige Kirche ist, verortet.
Wir haben eine dreißigjährige Unterstützung unserer Arbeit durch die Väter der Gesellschaft Jesu
in Anspruch genommen und ihnen zum Erhalt ihrer treuen Mitarbeit in unserer bischöflichen Bürgerschaft ein Kolleg erbaut, als Stiftsschenkung, um sie als Prediger, Beichtväter und
Lehrer der Geisteswissenschaften mit den entsprechend notwendigen Hilfskräften für die religiöse Praxis ausstatten zu können. Und für dieses freilich große Anliegen kennen wir zu unserer wohltuenden Beruhigung aus eigener Erfahrung deren Einsatz und Fleiß.
Auch weil leicht einzusehen ist, dass in absehbarer Zukunft keinerlei Auftrag für ein Haus von Seiten der Rheinischen Provinz gebilligt wird, damit nach und nach zu den notwendigen Hilfskräften
für Schule und Lehre gleichermaßen eine religiöse Institution der Gesellschaft Jesu eingesetzt
wird, verbinden wir mit väterlichem Wohlwollen für die lobenswerte Gesellschaft
Jesu die Neugründung konziliant durch jährlich zwanzigtausend Kaiserliche Taler für die Versorgung von fünfundzwanzig Novizen mit der früheren Schenkung des Kollegs.
Wie in der Tat grundlegende Absicherungen, bald in unseren drei Suffragandiözesen, bald überdies auch in der gesamten Rheinischen Provinz, zu wirklichem Erfolg wachsen, gedenken wir der göttlichen Weitsichtigkeit zu überlassen, damit uns aus dem Schatz seiner Weisheit weitherzige Einsichten an die Hand gegeben werden, die jedem Einzelnen durch sein gefälliges Entgegenkommen als ausgedehnteres Leben zur Aussicht stehen werden.
Wir sind auch oft voller Spannung, wo denn lohnenswerte Erfahrungen zu machen sind, woran letztendlich aus seelsorglicher Verpflichtung Nachholbedarf besteht, damit unsere Mitarbeiter anderen Aufgaben zuweisen können. Wir sind uns bewusst, dass die geistige Elite nach Abschluss ihrer humanistisch, geisteswissenschaftlichen Ausbildung zum Nachteil ihres ewigen Heils zu den in der Nähe gelegenen Akademien von Häretikern abwandert, und, selbst wenn sie durch die anfallenden Kosten im Studienverlauf gezwungen vorziehen, entmutigt wegzugehen, um zu katholischen Einrichtungen zurückzukehren, das nicht ohne Schaden für das katholische Gemeinwesen bleibt.
Hinzu kommt, dass viele Talente der Seelsorge und den ehrwürdigen Einrichtungen der Mönche vorenthalten werden, weil eine vollständige schriftwissenschaftliche Ausbildung geradewegs gehemmt ist, weshalb auch die bischöflichen Verpflichtungen für unsere Pfarrbezirke, Klöster und Stifte gegen Häresie, Vergehen und impertinente Ungläubigkeit an Auftrieb verlieren, was nicht ohne qualvolle Folgen für unser gottesfürchtiges Herz ist. Durch das Verlangen nach Beendigung all dieser Notlagen und Missstände angetrieben, nach Beihilfe göttlichen Einflusses strebend, haben wir uns hier entschlossen, unserer Bischofsstadt Paderborn eine Zwei-Fakultäten-Akademie, natürlich der Philosophie und Theologie, als hoch dotierte Stiftung hinzufügen zu wollen. Und wenn auch im Vorjahr beschlossen wurde, die gesamte Philosophie und ausschließlich die Moraltheologie, die Streitfragen der Religion und freien Gewissensentscheidung beinhaltet, den Hörern als Vorlesung zu bieten, so hat sich doch die Auffassung durchgesetzt, als nützliche Unterstützung und zur Ehre der Kirche weit mehr anzubieten, dass nämlich die gesamte scholastische Theologie der universitären Studienordnung der Gesellschaft Jesu entsprechend gelehrt werde. So möge es denn kommen, dass die geistigen , nicht nur die methodisch ausgezeichneten, glänzend argumentierenden, sondern auch die mit dem theologischen Doktortitel ausgestatteten Kapazitäten für das besondere Ehren- und Kirchenamt vorzüglich eingesetzt werden können. Da letztendlich weit mehr Kräfte als bisher für unser Paderborner Kollegium der Gesellschaft Jesu notwendig sind, die von dem ehrwürdigen Vater in Christus, dem Vater Claudius Aquaviva, dem Generaloberst, als Philosophie- und Theologieprofessoren zu stellen sind, wollen wir 15000 Reichstaler zusätzlich in festen Abständen als freigebige Vermögensspende zum erforderlichen Unterhalt der Doktoren und Lehrer der obengenannten Fakultäten beisteuern, der angebrachten Ehrerbietung der Kirche und der Leistung unserer Fürstenberger Familie gewidmet, damit dieser reichlich guten, wohltätigen Aufwendung von uns und unserer Fürstenberger Familie von ihnen und ihren Angehörigen in heiligen Messen und Dankgebeten gedacht wird. Was Gott als Lobpreis wohlgefällig ist, diene der heiligen Kirche zum Wachstum, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Dotiert auf unserem Schloss Neuhaus, im regsamen Jahr des Herrn 1614, am 10. September. Theodor von Fürstenberg, Bischof der Paderborner Kirche.
TEI-Editionswerkstatt Urkunden, UPB
Übersetzung latein -deutsch
Charter document, hist. Gründungsurkunde
Version 03.01.2018
Foester, Karl
Studia humanitatis, Studia humaniora